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„Nicht der Wandel ist das Problem – sondern die Weigerung, sich zu verändern“

Der Tischtennissport diskutiert seit Jahren über sinkende Mitgliederzahlen, fehlende Trainer und die Zukunft der Vereine. Thomas Dick, Leiter des Tischtennis-Instituts, sieht die Ursachen jedoch tiefer. Für ihn fehlt es weder an Ideen noch an Möglichkeiten – sondern vor allem an der Bereitschaft, gewohnte Strukturen zu hinterfragen und zu verändern.

Frage: Herr Dick, wie beurteilen Sie derzeit die Zukunft des Tischtennissports?

Thomas Dick: Ich würde mir im Moment wenig Hoffnungen machen – zumindest dann nicht, wenn wir weitermachen wie bisher. Das eigentliche Problem ist nicht der Mitgliederschwund oder der Wettbewerb mit anderen Sportarten. Das eigentliche Problem ist, dass wir notwendige Veränderungen seit Jahren und Jahrzehnten vor uns herschieben. Fast jeder Verein wünscht sich Entwicklung. Fragt man aber, wer dafür bestehende Strukturen verändern möchte, wird es schnell still. Genau darin liegt unsere größte Herausforderung.

Frage: Woran machen Sie diese fehlende Veränderungsbereitschaft fest?

Thomas Dick: An vielen kleinen Entscheidungen. Vereine wünschen sich mehr Mitglieder, investieren aber nicht in bessere Angebote. Sie wünschen sich sportliche Entwicklung, beschäftigen aber keine qualifizierten Trainerinnen oder Trainer. Sie wünschen sich engagierte Jugendliche, schaffen aber kaum Strukturen, die ihnen altersgemäß und auch nach der Jugendzeit eine sportliche Perspektive bieten. Entwicklung entsteht nicht dadurch, dass man sie sich wünscht, sondern dadurch, dass man bereit ist, neue Wege zu gehen.

Frage: Sie sprechen häufig von einer fehlenden Trainingskultur. Was meinen Sie damit?

Thomas Dick: Training wird vielerorts noch immer nicht als zentrale Dienstleistung und „normaler“ Bestandteil eines Vereins verstanden. Im Nachwuchs gibt es zwar in einigen Vereinen Angebote, doch spätestens beim Übergang in den Erwachsenenbereich endet eine qualifizierte Trainingssteuerung häufig. Wer sich als junger Erwachsener weiterentwickeln möchte, findet oft keine Perspektive mehr. Dabei wäre genau diese Lebensphase entscheidend, um Menschen langfristig an unseren Sport zu binden.

Frage: Was müsste sich konkret ändern?

Thomas Dick: Vereine brauchen eine durchgängige Trainingsstruktur für Jugendliche und Erwachsene. Dafür müssen qualifizierte Trainerinnen und Trainer langfristig eingebunden werden. Das kostet Geld – aber Qualität gibt es nicht zum Nulltarif. Gleichzeitig brauchen Vereine unterschiedliche Angebote: Menschen, die einfach spielen möchten, genauso wie diejenigen, die sich gezielt verbessern wollen. Beides hat seine Berechtigung. Entscheidend ist, dass Vereine ihre Leistungen bewusst strukturieren und entsprechend organisieren.

Frage: Warum fällt dieser Schritt so vielen Vereinen schwer?

Thomas Dick: Weil Veränderungen immer Widerstände erzeugen. Viele Verantwortliche verwalten ihren Verein mit großem Engagement, sehen ihre Aufgabe aber weniger darin, ihn aktiv weiterzuentwickeln. Das Ehrenamt wird häufig als Verwaltungsamt verstanden und nicht als Gestaltungsaufgabe. Dadurch entstehen immer wieder Argumente, warum etwas angeblich nicht funktioniert, statt Lösungen dafür zu entwickeln, wie es funktionieren könnte.

Frage: Fehlt es also nicht an Ideen, sondern am Mut zur Umsetzung?

Thomas Dick: Genau. Stillstand entsteht selten aus Ideenmangel. Er entsteht, weil bestehende Strukturen verteidigt werden. Viel Energie fließt in die Begründung, warum Veränderungen schwierig seien. Deutlich weniger Energie fließt in ihre Umsetzung. Dabei wird häufig übersehen, dass Nichtstun ebenfalls eine Entscheidung ist – nämlich die Entscheidung, Rückschritt zu akzeptieren.

Frage: Welche Rolle spielen dabei Verbände?

Thomas Dick: Eine sehr wichtige. Vereine brauchen Orientierung. Deshalb wünsche ich mir ein klares Leitbild, das beschreibt, wie moderner Tischtennissport künftig aussehen soll. Nicht als starre Vorschrift, sondern als gemeinsame Richtung. Hoffnung allein reicht nicht. Es braucht einen mutigen Plan, der Qualität, Trainerentwicklung, Trainingskultur, Vereinsentwicklung und sportliche Attraktivität konsequent zusammendenkt.

Frage: Manche Reformen werden auf Widerstand stoßen.

Thomas Dick: Das ist unvermeidlich. Aber Probleme verschwinden nicht dadurch, dass man notwendige Veränderungen vermeidet. Jede Organisation muss entscheiden, ob sie ihre Zukunft gestalten oder lediglich ihren bisherigen Zustand verwalten möchte. Wer allen gefallen möchte, trifft am Ende oft gar keine Entscheidung. Das können wir uns als Sportart nicht mehr leisten.

Frage: Würden Sie heute noch in den Tischtennissport investieren?

Thomas Dick: Ja – allerdings nicht in das Bewahren bestehender Strukturen. Investieren würde ich in Menschen, in qualifizierte Trainerinnen und Trainer, in moderne Vereinskonzepte und in Kooperationen zwischen mehreren Vereinen. Es gibt genügend Potenzial. Entscheidend ist, ob wir bereit sind, es endlich konsequent zu nutzen.

Frage: Ihr Fazit?

Thomas Dick: Die Zukunft des Tischtennissports entscheidet sich nicht daran, ob Veränderungen möglich sind. Sie entscheidet sich daran, ob wir bereit sind, sie umzusetzen. Wer notwendige Reformen immer weiter verschiebt, entscheidet sich letztlich für Stillstand. Wer dagegen den Mut hat, seine Strukturen zu verändern, schafft die Grundlage dafür, dass unsere Sportart auch in Zukunft attraktiv und konkurrenzfähig bleibt.

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