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Jeder Beruf mit hoher Verantwortung verdient eine gerechte Bezahlung – besonders jetzt!

Wer übernimmt die Verantwortung für pro-aktive Veränderungen, die nun notwendig sind? Seit 32 Jahren verschwinden die Mitglieder in deutschen Tischtennis-Vereinen. Zu einem Stopp oder gar einer (derzeit nicht denkbaren) Steigerung – und damit neben der quantitativen auch einer qualitativen Steigerung – wird es aber nur kommen, wenn die bisherigen verstaubten, vorurteilsbeladenen und politisch motivierten Rechtfertigungen, warum es flächendeckend keine Professionalisierung im Breitensport in unserer Sportart geben sollte, anderen Begründungen Platz machen. Zum Beispiel der Idee, viele Kinder für Vereine zu gewinnen, sie dort zu binden und zu begeistern und allen Talenten durch gute Strukturen und sehr gute Trainer(innen) eine Entwicklungschance zu bieten.

Das setzt jedoch voraus, endlich in einem Bereich die Probleme anzugreifen, wo seit Jahrzehnten Defizite zu erkennen sind: im Schulsport. Und natürlich bei der Erkenntnis, dass Ehrenamtlichkeit heute nicht mehr ausreicht, um diese negative Entwicklung aufzuhalten.

Der Schulsport wird, allen Beweisen für die Wirkung von Bewegung auf die Entwicklung von Kindern zum Trotz, abgewertet und geringgeschätzt. Er ist bei allen Kultusministerien als Erstes beim Streichen dran (wie man im letzten Lockdown mühelos erkennen konnte). Unsere Länder-Kultusministerien und auch unsere Gesellschaft ignorieren, dass Körper und Kopf zusammenspielen. Dies ist vielfach wasserdicht nachgewiesen. Eine Schande! Und es scheint niemanden so zu stören, dass kein politischer Druck auf die Kultusministerien dazu entsteht, wenn sie schon nicht in der Lage sind, das Problem von alleine zu erkennen.

Zudem ist es ein Märchen zu glauben, Kinder aus allen Bildungsschichten hätten einen ungehinderten Zugang zum Sport. Ganz zu schweigen von der Frage, warum es auch Tischtennis-Vereinen kaum gelingt, Migranten-Kinder zu binden. Wer hier etwas verändern möchte, braucht erfahrene und hochqualifizierte Trainer an der Basis, die entsprechend ihrer Ausbildung, Erfahrung und Reputation beschäftigt und honoriert werden müssen. Das ist derzeit in Tischtennis-Deutschland ein Wunschtraum und kaum der Fall, obwohl es diese Trainer(innen) im allerbesten Fall schaffen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein Leben lang für Sport zu gewinnen.

Der qualitative Nebeneffekt wäre befruchtend: vielleicht einmal weitere Medaillengewinner bei Olympia oder Weltmeisterschaften, die wiederum Kinder inspirieren, ihnen zu folgen. Darüber sollten auch diejenigen nachdenken, die „Leistungssportreformen“ durchsetzen, ohne gleichzeitig den Mangel im Schulsport und in der Basisarbeit der Vereine im Blick zu behalten – und damit indirekten und/oder indirekten Druck auf alle Trainer(innen) ausüben, die auf Landesebene „Talente sichten und ausbilden sollen“.

Jeder der sagt, Trainerinnen und Trainer in Deutschland, die ihre Berufung als Beruf ausüben, sollten gerecht bezahlt werden (im Sinne dieser Verantwortung u n d ihrer Qualifikation), sollte dies unterstützen (Sportler, Eltern), danach handeln (Arbeit- oder Auftraggeber) und dies fördern (Verbände, Vereine).

Es ist mindestens „bemerkenswert“, dass es in unserer Sportart außergewöhnlich stark an qualifiziertem Personal mangelt – insbesondere für die enorm schwierige und hochverantwortungsvolle Aufgabe des Trainings mit Kindern im Vorschul- und Grundschulalter. Aber auch für die stetig steigende Nachfrage bei vielen Erwachsenen nach qualifiziertem Training gibt es kaum fach- und sozialkompetente Trainer(innen).

Die Folgen und Konsequenzen dieses Zustandes sollen hier zunächst einmal unberücksichtigt bleiben. Genauso die Frage, ob es allerdings tatsächlich so wenige – mindestens interessierte – Trainer(innen) gibt. Es bleibt nämlich der Verdacht, dass es möglicherweise doch welche gibt. Vielleicht nicht in ausreichender Anzahl, aber es gibt sie. Angemessen „finanziert“ und bezahlt für den Gegenwert Ihrer Arbeit könnte sich zeigen, ob sich dieser Verdacht auch bestätigt.

Eine gerechte Entlohnung bzw. das gerechte Angebot einer Arbeitsmöglichkeit unter Berücksichtigung von Qualifikation (Lizenz), Erfahrung, Reputation/Referenzen könnte sicherlich auch für Klarheit und zielorientierte Zusammenarbeit sorgen. Vereine sollten bei der Suche und Verpflichtung nach qualifizierten Trainer(inne)n bedenken: In aller Regel (… es wäre im Einzelfall zu prüfen und zu bewerten…) ist in den aktuellen Satzungsregelungen des Großteils aller Vereine in Deutschland n i c h t vorgesehen, dass die eigenen Mitgliedsbeiträge (die im Übrigen zum gleichen Großteil der Vereine noch immer nicht zeitgemäß sind) für Personalausgaben/Trainingsleistungen verwendet werden. Personal- oder Trainingsleistungen sind deshalb – der Logik folgend – immer extern zu finanzieren und nicht aus der „dünnen Kassenlage“, die oft dafür als vorgeschobenes Argument dient, eben niemanden dazu beschäftigen zu können.

Und wie geht dies am einfachsten? In dem jeder Verein, der ein ernsthaftes Interesse an Weiterentwicklung seiner Abteilung oder seines Vereins hat, anerkennt, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man sich weiterentwickeln kann, in dem „nur noch einfach so gespielt wird“. Wer diese Motivation hat, darf selbstverständlich gerne weiter für den monatlichen Mitgliedsbeitrag „spielen“ und dem sollte nach wie vor die Gelegenheit dazu gegeben werden. Es darf, soll und muss aber heute parallel einen Trainingsbereich geben, in dem ein qualifizierter Trainer oder eine qualifizierte Trainerin – im Nachwuchsbereich sowieso (!) – ebenso qualifiziertes Training anbieten kann und in dem an Weiterentwicklung interessierte Spielerinnen und Spieler eben auch anders trainieren können. Hier könnte über eine gewisse Anzahl an Probetrainings beispielsweise sehr schnell festgestellt werden, ob Topf und Deckel zusammenpassen und künftig etwas gemeinsam entwickeln möchten. Geteilt durch die Anzahl an Spieler(innen), die dies in Anspruch nehmen würden/wollen, lässt sich so eine qualifizierte Arbeit mühelos finanzieren. Und organisatorische Hindernisse z.B. infrastruktureller Art lassen sich mit Ideen und gutem Willen immer lösen …

Übrigens: Eine gute Trainerin oder einen guten Trainer erkennt man nicht nur daran, wie gut oder weniger gut sie/er selbst als Spieler(in) agieren kann oder dies in der Vergangenheit getan hat. Die erste Legitimation, als Trainer(in) arbeiten und den notwendigen Respekt zu bekommen, ist der Erwerb einer fachspezifischen Ausbildung zur Trainerin/zum Trainer. Unlizenzierte „Trainer(innen)“ (weil sie gut spielen können und den Anschein erwecken, sie seien damit automatisch auch gute Trainer(innen)) ausgebildeten Trainer(innen) vorzuziehen ist in den wenigsten Fällen zielorientiert und erfolgreich.

Es ist Zeit umzudenken und alte Paradigmen auf Seite zu legen. Auch das Paradigma, dass Ehrenamtlichkeit heute noch ausreicht, die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Grösse eines Vereins, die Struktur eines Verbandes sind dafür nicht ausschlaggebend. Die Berührungsängste, die Ehrenamtlichkeit mit Professionalität hat (oder umgekehrt), sind unbegründet. Hier entscheidet ausschließlich nur noch, ob die sozialkompetenten Fähigkeiten ausreichen, sich miteinander an einen Tisch zu setzen oder nicht.

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