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„Ein Tischtennis-Verein ohne (gute) Nachwuchsarbeit hat ausgedient!“

Ein Kommentar von Thomas Dick, Dannenberg

Routine, (zumeist unbegründete) Angst vor Veränderungen und vorschnelle Urteile führen dazu, dass viele Vereine nur noch als „Pflichterfüller“ ihrer eigenen Satzung agieren. Und diese „wahlweise“ interpretieren. Und teilweise nicht einmal mehr das schaffen. Ohne Flexibilität und Innovationen – insbesondere im Bereich einer (guten) Kinder- und Jugendarbeit, die die Zukunft einigermaßen sichert – ist jeder Verein – früher oder später – obsolet. Was wäre also notwendig, um den Anforderungen der stark veränderten Welt an Vereine zu widerstehen und dennoch gute Nachwuchsarbeit zu machen?

Nur ein paar Grundgedanken …

Tischtennis und Reformen … wer dies liest, denkt in erster Linie an möglicherweise in der Vergangenheit durchgeführte und vielleicht wieder einmal in Zukunft anstehende Regeländerungen. Allzu oft waren diese Anlass zu harscher und negativer Kritik … allerdings ohne wirklich überzeugende Gegenargumente, bevor diese beschlossen wurden. Durchgesetzt haben sie sich, … weil sie letztlich demokratisch legitimiert wurden. Über die Wirkung der Regeländerungen gehen die Meinungen auseinander … Tendenz: eher verbesserungswürdig!

Ein Bereich ist allerdings bislang noch nicht in den Fokus gerückt. Reformieren wir unser Vereinssystem nicht, denken und lernen wir in unseren Vereinen nicht um und setzen konsequent auf Nachwuchsarbeit, auf gute Nachwuchsarbeit, produzieren wir immer mehr eine – wie jetzt schon erkennbar – Generation unzufriedener Vereine, die immer mehr unter der Last nicht vorhandener finanzieller Mittel, nicht vorhandener ehrenamtlicher Mitarbeitsbereitschaft, nicht vorhandenem Nachwuchs, nicht vorhandener Führung in Organisation und Training und einem immensen Erwartungsdruck von aussen zusammenfallen und verschwinden.

Es reicht eben nicht mehr, nur „Trainingszeiten“ anzubieten und dann zum „freien Spiel“ zu gehen … Schon gar nicht, wenn man ernsthaftes Interesse daran hat, seinen eigenen (für die Gesellschaft wertvollen) Verein am Leben erhalten zu wollen. Und dies mit Hilfe von vielen Mitgliedern unter 18 Jahren schaffen möchte.

Die Anforderungen daran sind komplexer geworden, allerdings nicht unlösbar. Gefragt ist also in Vereinen – sofern dies gewünscht ist: Know How!

Nehmen wir ein einfaches Beispiel:

Eltern wollen für ihre Kinder stets das Beste: die beste Schule, den besten Verein, später die beste Uni und den besten Job. Immer verbunden mit dem romantischen Wunsch, ein sorgenfreies und glückliches Leben zu ermöglichen. Sportlich wie beruflich.

Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille: Eltern wollen für ihre Kinder stets das Beste … und „übergeben“ sie quasi einem Verein, um so Freiraum für sich selbst zu schaffen oder auch aus anderen Motiven, die hier nicht weiter diskutiert werden sollen.

Vereine werden so quasi in einem Rad von Erwartungen zermalmt … wenn sie nicht auf diese unterschiedlichen Motivlagen ihrer künftigen Mitglieder strukturell in Training und Organisation vorbereitet sind. Sie werden überfrachtet mit Erwartungen, die sie nicht erfüllen können, weil sie die entsprechenden Strukturen meistens nicht geschaffen haben und das qualifizierte Personal dazu nicht gesucht und verpflichtet wurde. Damit werden sie – von anderen (wie z.B. Eltern) – von einem Kleintier zu einem riesigen Elefanten aufgeblasen, der gerade Vereinsverantwortliche in der Führung immer stärker beansprucht.

Viele Eltern halten Vereine für den Ort, an dem Kindern alles beigebracht wird, was sie später für ein gelingendes Leben brauchen. Dieses Missverständnis aufzulösen, wäre die erste Aufgabe eines Vereins, der sich zukunftsfest machen und gute Nachwuchsarbeit initiieren möchte. Vereine können allerdings sehr wohl dabei helfen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, derer es in der veränderten Welt von morgen bedarf und die körperlich notwendig wären, zu vermitteln. Dazu stellt er – gegen angemessene Monatsbeiträge – qualifiziertes und fachlich versiertes Training (der koordinativen und sportartspezifischen Fähigkeiten) zur Verfügung. Im Idealfall entstehen aus begonnener und jahrelanger, fachlich guter und pädagogisch schlauer Nachwuchsarbeit im Jugendalter dann auch Mädchen und Jungen, denen auch Verantwortung für den Einsatz moderner Kommunikationsmedien und der Weiterentwicklung des eigenen Vereins übertragen werden kann.

Digitalisierung und Globalisierung sind das Umfeld, in dem unsere Kinder und Jugendlichen leben, arbeiten, kommunizieren, als Gesellschaft und Individuum agieren. Und das sollten viele Vereinsverantwortliche registrieren und für sich nutzen. Unsere Gesellschaft ändert sich im Moment – so schnell und deutlich wie nie zuvor. Dass dieser Transformationsprozess in absehbarer Zeit nicht zum Erliegen kommt, sondern sich im Gegenteil künftig noch weiter beschleunigen wird, ist offensichtlich und kann nicht ernsthaft bestritten oder in Frage gestellt werden. Gute Nachwuchsarbeit bedeutet dann für den jeweiligen Verein auch: bei den Jugendlichen sind ganz sicher Mädchen und Jungen dabei, die eine Internet- oder Facebook/Instagram-Seite einrichten und pflegen könnten … (wenn man sie denn ließe) …

Die Welt, für die unsere Vereine gemacht worden ist, gibt es nicht mehr!

Wie sieht die Realität heute aus? Schonhaltung. Statt genauer hinzuschauen und den Veränderungen nachzugehen, sich damit zu beschäftigen, sie als Chance zu begreifen, beruhigt sich die überwiegende Mehrheit der Menschen, die Vereine leiten, selbst, indem sie sich einredeten, das sei doch alles nicht so schlimm und würde sich schon wieder beruhigen. „Und wenn nicht, solle es doch von denen korrigiert werden, die dafür zuständig sind.“ Und leider ist es noch immer wichtiger dem oder der „langjährigen Vorsitzenden“ den Vortritt zu lassen, als seine eigene Expertise einzubringen und Veränderungsnotwendigkeiten ins Spiel zu bringen. Und die haben dann – notwendigerweise – auch nun einmal Dialektik zur Folge; Diskurs und Debatten und personelle Neuorientierung.

Die Welt, für die unsere Vereine gemacht worden ist, existiert nicht mehr. Dies einzusehen wäre der erste Schritt in eine richtige Richtung. Der zweite Schritt wäre darüber nachzudenken, wer in einem Verein am besten geeignet wäre, einen Veränderungsschritt in Richtung Resilienz und Zukunftsfähigkeit zu machen. Insbesondere im Bereich von guter Nachwuchsarbeit. Zwar vermitteln Vereine bis heute ihre Trainingszeiten, aber Nachwuchsarbeit mit der Vermittlung von koordinativen und konditionellen Grundfertigkeiten wie Balance/Gleichgewicht, Kopplung verschiedener Bewegungen, Reaktion, Schnelligkeit, Gewandtheit, Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer … die Kinder und Jugendliche in ihrem Berufs- und Erwachsenenleben ebenfalls brauchten? Nur die wenigsten Vereine können dies vorweisen. Fachwissen und Können in Vereinen zu implementieren wäre also – in jeder Hinsicht – als gewinnbringend zu bezeichnen.

Vereine müssten – aus eigenem Interesse – zu Bildung und Können beitragen und dies fördern. Da gilt auch für den Erwachsenenbereich. Nur zum Training zu gehen und zu spielen wird nicht mehr ausreichen; sowohl um den eigenen Verein am Leben zu erhalten als sich auch einen Namen als „wertvolle Gesellschaftsorganisation“ zu machen oder als gute und zuverlässige Freizeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche zu gelten. Anerkennung erlangt man nicht, in dem man einmal in seiner Liga mit den Erwachsenen aufsteigt oder „Dienst nach Satzung“ macht, sondern einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leistet, der über den Satzungszweck hinausgeht. Und gleichzeitig dafür sorgt, dass man mit „seinem“ Nachwuchs die Zukunft des eigenen Vereins und der wertvollen Gesellschaftsarbeit sichert.

Es wird in Zukunft daher in deutlich höherem Maße auf sogenannte „exekutive Frontalhirnfunktionen“ ankommen … würden die Neurobiologen sagen. Dazu gehören Kompetenzen wie Handlungsplanung, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, Verantwortungsgefühl, Empathie, ganz wichtig: die Fähigkeit zur Selbstreflexion sowie die Offenheit für neue Erfahrungen und Beziehungen. Daran werden sich alle Vereine in Deutschland messen lassen müssen … insbesondere dort, wo es fast keinen Nachwuchs mehr gibt. Und das ist an vielen Stellen in unserem Land …

Menschen, die ihre Arbeit gerne machen, die innovativ und außerhalb vorgegebener Muster denken, gibt es immer noch. Und wir sollten sie auch in unseren Vereinen über Kinder und Jugendarbeit aktiv fördern – nicht nur, um unsere Vereine künftig am Leben zu erhalten, sondern damit sie in der Zukunft, in der wir nicht mehr leben, auch genau deshalb den Unterschied zum algorithmusgetriebenen Roboter ausmachen, der uns jetzt schon massiv droht.

Und es gibt noch einen Grund: Schon heute suchen viele Unternehmen händeringend nach (jungen) Mitarbeitern, die nicht primär mit den besten Uni-Noten und Fachwissen überzeugen, sondern durch persönliches Engagement, die bereit sind, sich einzubringen, mitzudenken, gemeinsam mit anderen nach Lösungen zu suchen und Verantwortung übernehmen wollen. Und wo könnten junge Menschen dies am besten lernen? Und es gibt Eltern, die wissen, wie wichtig die Vermittlung dieser Fähigkeiten außerhalb der Schule ist …

Wir brauchen einen Tischtennis-Campus in jedem Kreis, in jeder Stadt

Vereine sollten darüber hinaus lernen, in einem Kreis, in einer größeren Stadt so zusammenzuarbeiten, dass sie eine starke Opposition (als Vertreter Ihrer Sportart) gegen andere „Freizeitangebote“ für Kinder und Jugendliche darstellen. Konkurrenz gegeneinander im sportlichen Messen ist ok, ansonsten ist Konkurrenzdenken sportartintern out und Zusammenarbeit gefragt. Vereine können sich gegenseitig unterstützen in ihren Bemühungen, viele Kinder und Jugendliche für die Sportart Tischtennis zu gewinnen. Diese „Bildungskette“ würde dann dazu führen, dass Kinder und Jugendliche sukzessive an die Herausforderungen der Sportart herangeführt würden und damit gute bis sehr gute Ausbildungschancen bestünden.

Wer beginnt mit wem?

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