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Gute Vereinsführung ist überlebenswichtig

Schlechte Nachrichten für Vorstände und/oder Abteilungsleiter, die sich über das Engagement ihrer eigenen Mitglieder beklagen: „Die meisten Mitglieder wollen nur konsumieren“: Nur 15 Prozent der Leute sind mit Hand, Herz und Verstand bei der ehrenamtlichen Mitarbeit oder sonstiger Unterstützung Ihres Vereins. Das Gros der Mitglieder will in erster Linie unauffällig sein: 70 Prozent aller Mitglieder sind emotional gering gebunden. Das legen Befragungen von uns unter ca. 300 Spieler(innen) aus Vereinen in ganz Deutschland aus dem Jahr 2023 nahe.

Daraus folgen wir: Mitgliederanwerbung und -bindung, die Motivation der Mitglieder und deren Verhältnis zu Vorstand und/oder Abteilungsleiter ist entscheidend für den „Erfolg“ eines Vereins. Und wie er sich letztlich weiterentwickelt. Gute Vereinsführung ist also gefragt.

Mitglieder, denen der eigene Verein egal ist, sind darüber hinaus keine guten  „Markenbotschafter“. Mitglieder, die sich emotional nicht an ihren Verein  gebunden fühlen, zeigen weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein – und sie schweigen zudem häufiger zu Fehlentwicklungen im eigenen Verein. Die immer weiter zunehmende Unsitte, angesetzte Meisterschaftsspiele wegen „anderer, wichtigerer Dinge Einzelner“ zu verlegen, geregelte und regelhafte Meisterschaftsspiele damit ad absurdum zu führen sowie einen enormen weiteren bürokratischen Aufwand zu produzieren, ist hierfür nur ein Indikator.

Jedes dritte Mitglied hat in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber seinem Vereinsvorstand/gegenüber seiner Abteilungsleiter mindestens einmal sogar schwere Bedenken nicht geäußert („Bei dem hat es überhaupt keinen Zweck zu argumentieren, der macht sowieso was er will!“). Von den Mitgliedern ohne emotionale Bindung schwieg sogar fast jeder Zweite (45 Prozent). Das ist für die Vereine besonders bedenklich.

Schlechte Vorstände und Abteilungsleitungen senken die Überlebensfähigkeit

Schlechte Vorstände und Abteilungsleitungen sind die Stellschraube, die dringend bewegt und diskutiert werden müsste. Lieber einen schlechten Vorstand als keinen? Das kostet den deutschen Tischtennissport nicht nur Mitglieder sondern bewirkt auch Imageschäden und erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen langsamen Exodus. Die „inneren Kündigungen“ und die Konsummentalität der Mitglieder sind also hausgemacht. Und Vorstände und Abteilungsleitungen beklagen damit den Zustand, den sie mit zu verantworten haben.

Hauptursache für eine Demission aus dem Verein oder fehlendes Engagement waren also die gewählten Vereinsvertreter(innen). So wie übrigens entsprechend empathische und sozialkompetente Vereinsvertreter(innen) das Gegenteil bewirkten.

Wie lange also Mitglieder ihrem Verein treu bleiben und wie einsatzfreudig und produktiv sie in der Zeit ihrer Mitgliedschaft sind, hängt – nicht nur – aber in erster Linie vom Führungsverhalten der Vereinsleitung ab. Dieser Zusammenhang entscheidet also über nichts weniger als die Zukunft eines Vereins.

Was Vereinsführungen besser machen müssen

Um Fluchtreflexe oder Demotivation zu verhindern, gilt es für Vereinsleitungen zu erkennen, wer was besonders gut kann, mit allen ins Gespräch kommen und eine „Gestaltungskultur“ im eigenen Verein zu etablieren. Wenn Menschen die Möglichkeit haben, das zu tun, was sie richtig gut können, sind sie motiviert mitzuarbeiten. Wenn man Ihnen allerdings das Gefühl gibt, sie als „Objekt“ zu brauchen („Wir brauchen einen Jugendwart, wer will das machen?“) darf man sich nicht wundern, wenn alle überprüfen wie das Wetter in den kommenden Tagen wird und niemand eine Antwort darauf gibt.

Im Jahr 2024 müssen vor allem aus der Tatsache, dass die Ressourcen vieler Menschen zunehmend geringer werden, klare Nachrichten transportiert werden: Alle Mitglieder erhalten eine kleine, aber herausfordernde, abwechslungsreiche und als sinnvoll empfundene Tätigkeit im Verein. Alleine um ein Verantwortungsgefühl für den eigenen Verein zu erzeugen. Davon gibt es genug. Emotionale Bindung wird im direkten Vereinsumfeld erzeugt und die Vereinsleitung ist dabei das A und O. Das kann an eine Mitgliedschaft geknüpft werden, ohne es als Mitglied als Zwang zu verstehen.

Interessant ist darüber hinaus noch das Auseinanderfallen von Fremd- und Eigenwahrnehmung: 69 Prozent der von uns befragten Spieler(innen) hatten mindestens einmal eine schlechte Vereinsführung. Doch die jeweiligen Vereinsführungen selbst waren sich ihrer Defizite nicht bewusst – 97 Prozent hielten sich selbst für eine gute Vereinsführung. Deshalb müssten sich alle Weiterbildungen für Vereinsführungen um die Verbesserung des Umganges mit ihren Mitgliedern drehen.

Der wichtigste Hebel, um einsatzfreudige Mitglieder mit emotionaler Bindung an den Verein zu bekommen ist ein kontinuierlicher Dialog zwischen Vereinsleitung und den Mitgliedern. Das kann allerdings nicht funktionieren, wenn nur einmal im Jahr über ihre Arbeit und die Leistung gesprochen wird. Monatliche oder quartalsmäßige „Arbeitsgespräche“, die auf max. 90 Min. begrenzt werden können, sind hierfür deutlich besser geeignet.

Vereinsführungen müssen lernen, dass sie ihren Verein nicht verwalten sollen, sondern die individuellen Leistungspotenziale der Mitglieder freisetzen und zur Entwicklung des Einzelnen beizutragen. Nicht zuletzt aus eigenem und Vereinsinteresse. Vorstände und Abteilungsleiter(innen) müssten herausfinden, was ein Mitglied gut kann und mag und wie er dementsprechend eingesetzt werden kann – und das geht am besten im Gespräch.

Wer das ignoriert, muss sich nicht wundern, wenn die Mitglieder resignieren und sich nicht engagieren. Und wenn der eigene Verein bald nicht mehr da ist …

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